Mit Kollegen befreundet zu sein finde ich unkompliziert, bis einer plötzlich der Vorgesetzte des anderen wird.
Man kann sich immer noch mögen.
Trotzdem bekommt ein Gespräch über Gehalt, Leistung oder Urlaub eine Ebene dazu, die beim gemeinsamen Bier vorher nicht existiert hat.
Freitagabend mit Kollegen außerhalb der Arbeit. Erste zehn Minuten: Urlaub, Wohnung, Wochenende. Danach eine Stunde über denselben internen Prozess wie um 15 Uhr. Das Büro kann erstaunlich problemlos mitkommen, obwohl niemand den Laptop eingepackt hat.
Freundschaften bei der Arbeit entstehen wahrscheinlich häufiger bei zwanzig normalen Mittagspausen als beim einmaligen Teambuilding mit Namensschild. Nähe ist erstaunlich oft einfach Wiederholung plus genug Zeit für Gespräche, die irgendwann nicht mehr über das aktuelle Projekt gehen.
Ich finde Kollegen als Freunde eigentlich praktisch.
Man muss sich nicht erst kennenlernen, kennt denselben Alltag und hat meistens sofort ein Thema.
Das Problem merke ich erst abends beim Bier, wenn nach 40 Minuten immer noch über denselben Kunden gesprochen wird, über den man schon acht Stunden gesprochen hat.
Irgendwann brauche ich Menschen, denen ich eine Geschichte von der Arbeit erst erklären muss. Das ist manchmal ganz gesund.
Man kann jemanden jeden Tag gern sehen, zusammen Mittag essen und hervorragend arbeiten, ohne daraus automatisch Wochenendfreundschaft machen zu müssen.
Eine gute kollegiale Beziehung ist nicht die Vorstufe zu etwas Besserem.
Manchmal ist sie bereits genau die richtige Beziehung.
Meine engsten neuen Kontakte der letzten Jahre habe ich tatsächlich fast alle über die Arbeit kennengelernt.
Eigentlich logisch. Mit diesen Leuten verbringe ich fünf Tage die Woche, man erlebt zusammen stressige Sachen, geht Mittag essen und kennt irgendwann sehr genau den Gesichtsausdruck, den jemand macht, wenn wieder ein „kurzer Call“ eingestellt wurde.
Komisch finde ich nur, dass mein soziales Leben dadurch ziemlich an meinen Arbeitgeber gekoppelt ist.
Wenn ich morgen kündige, verliere ich wahrscheinlich nicht nur Kollegen.
Freundschaft im Büro beginnt selten mit einem offiziellen Termin.
Eher mit gemeinsamem Mittagessen, fünf Minuten in der Küche oder dem Weg zur Bahn.
Im Homeoffice funktionieren Meetings problemlos. Diese kleinen Zwischenräume lassen sich deutlich schlechter in Teams planen.
Ich würde Freundschaften mit Kollegen weder vermeiden noch erzwingen.
Eine meiner ältesten Freundinnen habe ich bei der Arbeit kennengelernt. Mit anderen Kollegen verstehe ich mich seit Jahren hervorragend und würde trotzdem nie auf die Idee kommen, sie am Wochenende anzurufen.
Beides fühlt sich völlig normal an.
Vielleicht liegt das Problem eher an dieser Vorstellung, man müsse Menschen sauber in „privat“ und „Arbeit“ sortieren. Manche bleiben Kollegen. Manche werden Freunde. Bei manchen merkt man erst nach dem Jobwechsel, was davon eigentlich stimmt.
Freunde aus anderen Lebensbereichen haben einen unterschätzten Vorteil: Sie kennen nicht automatisch dieselben Kollegen, Projekte und internen Geschichten.
Wenn die Arbeit nervt, antworten sie nicht mit der Sicht desselben Unternehmens.
Manchmal ist genau diese Distanz ziemlich gesund.
Wenn Arbeit und Freundeskreis fast deckungsgleich sind, verändert eine Kündigung, Versetzung oder größere Umstrukturierung plötzlich zwei Lebensbereiche gleichzeitig. Das muss nicht gegen Freundschaften im Job sprechen. Es macht nur sichtbar, wie viel soziale Infrastruktur an einem Arbeitgeber hängen kann.
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